Lachssperma, Exosomen, Lemon Bottle, Fadenlifting. Das Rad der Innovationen auf dem Markt der Treatments und Tweakments dreht sich immer schneller. Natürlich generieren virale Prozeduren eine große Nachfrage – die Firmen hinter diesen Neuheiten lassen für die Verbreitung ihrer Erfindungen schließlich eine Menge Geld fließen. Allerdings ist der Buzz, den ein Eingriff in den sozialen Medien auslöst, längst kein Garant für gute Resultate oder dessen Sicherheit.
Fadenliftings oder PDO (Polydioxanon) – ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit:
Als der Fox-Eye-Trend um 2020, eindrucksvoll verkörpert durch Celebrities wie Bella Hadid, die Höhe seiner Popularität erreicht, nennen zahlreiche Beauty-Influencer das Fadenlifting als Mittel der Wahl, um einen gestrafften Look zu erreichen. Das Fadenlifting gilt damals als sanfte Alternative zum chirurgischen Facelift und erfreut sich einer rasch wachsenden Beliebtheit, gerade bei denen, die sich eine frischere Erscheinung ohne Skalpell und lange Ausfallzeiten wünschen. Was auf den ersten Blick wie ein Wundermittel wirkt, entpuppt sich allerdings in den folgenden Jahren entweder als ineffektiv oder als Verfahren mit ernstzunehmenden Risiken.
PDO (Polydioxanon) ist ein in der Chirurgie seit Jahren bewährtes, resorbierbares Nahtmaterial. Beim Fadenlifting wird es in Form glatter oder mit Widerhaken versehener Fäden unter die Haut eingebracht, um Gewebe zu straffen und die Kollagenproduktion anzuregen. Klingt nach einem durchdachten, modernen Verfahren – und genau das war der Grund für den Hype. Doch die tatsächlichen Resultate waren in einigen Fällen viel weniger glamourös.
Obwohl die Anwendung vergleichsweise einfach erscheint, zeigen aktuelle medizinische Studien, dass bei über 30 Prozent der Behandlungen Komplikationen auftreten. Das Spektrum reicht dabei von harmlosen Nebenwirkungen wie Rötungen oder Schwellungen bis hin zu schwerwiegenden Problemen wie Infektionen, Nervenschäden, Gewebeverlust oder dauerhaften Asymmetrien. Auch sogenannte „Fadenmigrationen“, also das Verrutschen oder Durchstoßen der Fäden an die Hautoberfläche, werden verzeichnet – mit teils drastischen ästhetischen und gesundheitlichen Folgen.
Besonders problematisch ist, dass viele dieser Eingriffe von nicht-ärztlichem Personal durchgeführt werden. Das Risiko für falsch gesetzte Fäden, Nervenverletzungen oder Infektionen steigt dadurch deutlich. Weil die Fäden nach der Behandlung kaum noch im Gewebe auffindbar sind, ist die medizinische Nachsorge im Fall einer Komplikation außerdem sehr schwierig.
Zudem besteht das Risiko von Fremdkörperreaktionen: Obwohl PDO vom Körper grundsätzlich problemlos verarbeitet wird, kann es zu Entzündungen, Knotenbildungen, Granulomen oder sogar seltenen Hautreaktionen wie Pseudolymphomen kommen. Diese Reaktionen erfordern dann eine gezielte Behandlung – etwa Kortisoninjektionen oder, in schlimmen Fällen, ein chirurgisches Entfernen der Fäden.
Zu guter Letzt ist fraglich, wie langfristig die Ergebnisse des Fadenliftings sind. Viele Patientinnen und Patienten berichten enttäuscht davon, dass das Ergebnis lediglich drei bis sechs Monate anhält. Wer es sich leisten kann, lässt sich vielleicht auf einen teuren und körperlich belastenden Kreislauf aus Wiederholungsbehandlungen ein – meist mit abnehmender Wirksamkeit und zunehmender Frustration.
Natürlich waren diese Faktoren nicht direkt absehbar, als Fadenliftings auf den Markt kamen. Erst jetzt, nach einigen Jahren, in denen viele verschiedene Personen verschiedene Erfahrungen mit der Prozedur sammeln konnten, kann besser eingeschätzt werden, in welchen Fällen Fadenliftings das Mittel der Wahl darstellen, welche Risiken dabei bestehen und mit welchen Resultaten realistisch gerechnet werden kann.
Diese Entwicklung ist ein gutes Beispiel dafür, warum Dr. Aesthetik nicht direkt jede vermeintliche Innovation in der Welt der Beauty-Prozeduren anbietet. Dr. Aesthetik setzt auf sichere, etablierte Verfahren, deren langfristige Effektivität durch zufriedene Kundinnen und Kunden bestätigt wurde.
Lemon Bottle – Lipolyse
Die gelbe Spritze gegen das Doppelkinn wurde besonders auf TikTok ähnlich frenetisch gefeiert wie seinerzeit das Fadenlifting. Nach wenigen Sitzungen und kurzer Ausfallzeit präsentierten Nutzerinnen sich mit einer definierten Kinnpartie. Alle Spuren eines Doppelkinns hatten sich augenscheinlich in Luft aufgelöst. Welcher Wirkstoff dieses wundersame Ergebnis verursacht hat, ist leider nicht so einfach nachvollziehbar. Zwar werden auf den Verpackungen der Lemon-Bottle-Flaschen etwaige (teilweise variierende) Inhaltsstoffe aufgelistet, aber: In Laboranalysen von Swissmedic konnten die auf der Verpackung deklarierten Inhaltsstoffe – darunter Bromelain, Lecithin und Riboflavin – entweder gar nicht oder nur unvollständig nachgewiesen werden. In einigen Proben fand sich stattdessen ausschließlich Koffein.
Die stark variierende Zusammensetzung deutet auf mangelhafte Qualität und potenzielle Produktfälschungen hin. Das bedeutet, die Risiken einer Anwendung sind kaum kalkulierbar. Nebenwirkungen wie lokale Reaktionen, Entzündungen oder systemische Komplikationen können nicht ausgeschlossen werden. Zudem besteht durch die irreführende Deklaration ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Schäden.
Damit zeigt auch der Fall Lemon Bottle, wie undurchsichtig der Markt für ästhetische Präparate mitunter ist. Während Werbung und Social Media gezielt mit Versprechungen arbeiten, fehlen häufig belastbare Daten, transparente Herkunftsnachweise und unabhängige Prüfungen.
Für Dr. Aesthetik gilt: Sicherheit hat Vorrang vor hochtrabenden Versprechungen. Wissenschaftlich nicht belegte Injektionen mit unklarer Zusammensetzung bergen Risiken, die weit über kosmetische Fragen hinausgehen. Unter keinen Umständen würde Dr. Aesthetik seine Kundinnen und Kunden solchen Risiken aussetzen. Erfahrene Experten in unserem Haus beraten sie gern umfassend zu etablierten Möglichkeiten der Lipolyse.
Lachssperma – PDRN – Polynucleotide: der fragwürdige Jungbrunnen
Auch sie gelten aktuell als ein Wundermittel in der Beauty- und Wellnessbranche: Polydeoxyribonucleotide. TikTok-Nutzerinnen nehmen ihre Follower mit auf Trips durch zahllose koreanische Apotheken auf der Suche nach einer, in der die Rejuvenex-PDRN-Creme noch nicht ausverkauft ist. Andere lassen sich mit PDRN-Injektionen behandeln. Die gewünschten Ergebnisse erleben allerdings nicht alle.
Einige Patienten berichten nach ihren jeweiligen PDRN-Behandlungen bemerkenswerte Verbesserungen des Hautbildes, während andere mit deutlich weniger zufriedenstellenden Ergebnissen zurückbleiben. Diese Diskrepanzen können auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden, darunter beispielsweise die Injektionstechnik, wie erfahren der behandelnde Arzt ist und natürlich individuelle Hautreaktionen.
Obwohl die Behandlung üblicherweise nach Anwendung einer Betäubungscreme erfolgt, berichten einige Patienten außerdem von starken Schmerzen während der Injektionen. Das Schmerzempfinden kann durch die jeweilige Injektionstechnik beeinflusst werden. Manuelle Injektionen ermöglichen dabei eine präzisere Kontrolle und können das Unbehagen minimieren, während der Einsatz von Injektionsgeräten möglicherweise weniger Kontrolle bietet und zu stärkeren Schmerzen führen kann. In seltenen Fällen kam es außerdem zu schweren allergischen Reaktionen. Rechtfertigen diese möglichen Ergebnisse diese Risiken?
Die Dermatologin Dr. Nina Hartman aus Washington, D.C., erklärt gegenüber New Beauty: „Obwohl PDRN-Injektionen vielversprechend im Bezug auf die Verbesserung der Hautstruktur und -elastizität sind, benötigen wir noch weitere Forschung, um ihre langfristigen Auswirkungen in der Hautpflege vollständig zu verstehen.“
Ein weiterer zu bedenkender Faktor ist die mögliche Umweltbelastung, die mit dem „Ernten“ des Lachsspermas einhergeht. Die Hersteller der PDRN-Präparate halten ihre Produktionsverfahren bewusst undurchsichtig. Es ist jedoch klar, dass der Großteil des verwendeten Fischs aus Aquakulturen stammt, also der kontrollierten Zucht von Fischen und anderen Meerestieren. Der restliche Anteil wird durch Wildfang in Fischereien gewonnen. Auch wenn Fisch im Vergleich zu anderen Nutztieren wie Rindern eine geringere Umweltbelastung verursacht, sind Fischereien dennoch mit einer Reihe von Nachhaltigkeitsproblemen verbunden – darunter die Zerstörung von Meeresböden, der unbeabsichtigte Fang anderer Meerestiere sowie Überfischung. Solang etablierte Verfahren die Resultate erzielen, die PDRN verspricht, hält Dr. Aesthetik das für unnötig.
Weiterhin gilt, wie auch bei anderen gehypten Anwendungen: Das Produkt ist noch nicht lang genug auf dem Markt, um Langzeitergebnisse verlässlich einschätzen zu können. Dr. Aesthetik wählt deshalb langjährig erfolgreich erprobte Methoden, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.
Exosomen – der teure neue, heiße Scheiß
Sie gelten als das neueste Wundermittel in der Beauty- und Wellnessbranche: Exosomen. In sozialen Medien, Kosmetikinstituten und selbst medizinischen Kliniken wird ihnen eine beinahe magische Wirkung nachgesagt – sie sollen gegen Haarausfall, Hautalterung, Akne, Long Covid und sogar neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer helfen. Belastbare Studien? Gibt es nicht.
Exosomen sind winzige Bläschen, die von Körperzellen abgesondert werden. Ursprünglich galten sie als „Müllabtransport“ der Zelle, heute geht man davon aus, dass sie zur Zellkommunikation beitragen. Sie enthalten Proteine, Lipide und möglicherweise auch DNA oder RNA – wobei nicht einmal die Wissenschaft eindeutig weiß, was genau in ihnen steckt oder wie sie wirken.
Denn das ist das Problem hinter dem Wundermittel. Trotz ihrer wachsenden Beliebtheit gibt es kaum wissenschaftlich fundierte Studien, die die Sicherheit oder Wirksamkeit von Exosomenbehandlungen belegen. Exosomen werden meist aus menschlichen Nabelschnurzellen, Pflanzen oder tierischen Quellen gewonnen – je nach Anbieter. Doch bisher fehlen grundlegende Erkenntnisse zur biologischen Wirkung, zur optimalen Dosierung oder zu möglichen Langzeitrisiken.
Laut Experten wie dem Bioethiker Leigh Turner ist die Exosomenbranche ein „Wilder Westen“: Anbieter preisen die Präparate als Anti-Aging-Wunderwaffe an, obwohl sie in keinem Land medizinisch zugelassen sind. In den USA etwa umgehen viele Anbieter die Regulierung, indem sie die Produkte als „Kosmetika“ deklarieren – obwohl sie in der Anwendung medizinischen Zwecken dienen.
Ein Beispiel: Die britische Klinik Perfect Skin Solutions nutzt Lachs-Exosomen in Verbindung mit Microneedling, um Haarwachstum zu fördern oder die Haut zu verjüngen. Dabei wird die Haut mit Mikroverletzungen behandelt, bevor die Exosomen aufgetragen oder eingespritzt werden. Der Arzt Dev Patel beschreibt die Ergebnisse als „erstaunlich“, gibt jedoch selbst zu, nie getestet zu haben, ob allein die Exosomen – ohne Zusatzstoffe – eine Wirkung zeigen.
